{"id":49,"count":16,"description":"Die Trugschl\u00fcsse = Sophismen\r\n\r\nDie Trugschl\u00fcsse geh\u00f6ren zu den Fehlschl\u00fcssen = Paralogismen. Trugschl\u00fcsse werden jene Fehlschl\u00fcsse genannt, die den Schein der Folgerichtigkeit an sich tragen. Sophismen k\u00f6nnen aus verschiedenen Gr\u00fcnden entstehen:\r\n\r\nA. Der Trugschluss durch Aequivokation (sophisma aequivocationis)\r\nBeispiel:\r\nNur der Mensch lacht.\r\nDiese Wiese lacht.\r\nDiese Wiese ist ein Mensch.\r\n\r\nB. Der Trugschluss durch Verwechslung von Zuf\u00e4lligem und Wesentlichem (sophisma accidentis)\r\nBeispiel:\r\nDie Philosophen haben durch ihre Lehren schon manches Unheil angerichtet. Also ist die Philosophie dazu angetan, Unheil anzurichten.\r\nMerke: Es liegt nicht im Wesen der Philosophie, Unheil anzurichten.\r\n \r\nC. Der Trugschluss durch Verwechslung von zeitlichem Nacheinander und Kausalzusammenhang (sophisma non causae ut causae) \r\nHier wird eine Erscheinung, die zeitlich auf eine andere folgt, f\u00e4lschlicherweise als deren Wirkung betrachtet. Man schliesst nach der Formel \u201epost hoc, ergo propter hoc\u201c (\u201enachher, also deshalb\u201c). Zwei aufeinanderfolgende Erscheinungen: I. Ursache -&gt; II. Wirkung\r\nBeispiele:\r\nNach der Ausbreitung des Christentums ging das r\u00f6mische Reich unter. Also war die Ausbreitung des Christentums die Ursache des Untergangs. - Nach Einnahme der Medizin starb der Kranke. Also war die Einnahme der Medizin die Ursache des Todes.\r\n\r\nD. Der Trugschluss durch Verfehlung des Fragepunktes (ignoratio elenchi) \r\nHier sucht man etwas zu beweisen, was gar nicht zur Diskussion steht.\r\nBeispiele: Der Mensch ist nicht grunds\u00e4tzlich frei, denn man kann ihn inhaftieren. \u2013 Der Papst ist nicht unfehlbar, denn er kann s\u00fcndigen.\r\nMerke: Verwechslung von innerer und \u00e4usserer Freiheit. Zur Diskussion steht die innere Freiheit, aber man will beweisen, dass der Mensch \u00e4usserlich nicht unbedingt frei ist.\r\n\r\nE. Der Trugschluss durch fingierte Allgemeinheit (sophisma fictae universalitatis)\r\nDieser Schluss geht aus von einer fingierten d.h. moralischen Allgemeinheit, die f\u00e4lschlicherweise zu einer metaphysischen Allgemeinheit hochgespielt wird.  Ber\u00fchmtes Beispiel:\r\nEpimenides hat gesagt: Alle Kreter sind L\u00fcgner.\r\nNun aber war Epimenides selbst ein Kreter.\r\nAlso war Epimenides ein L\u00fcgner.\r\nMerke: Keine metaphysische Einheit, die auf jeden Hintersten und Letzten zutrifft, sondern das ist eine moralische Einheit.\r\n\r\nF. Der Trugschluss durch Voraussetzung des zu Beweisenden (petitio principii)\r\nBeispiele: Die Sonne steht (in Bezug auf die Erde). Also bewegt sich die Erde um die Sonne. - Die Seele des Menschen ist nicht geistig, weil es nur Materie gibt. \r\nMerke: Man setzt voraus, dass es nur Materie gibt, was zu beweisen w\u00e4re.\r\n\r\nG. Der Zirkelschluss (circulus vitiosus)\r\nDer Zirkelschluss stellt eine besondere Art der Petitio principii dar und besteht darin, dass man (gegen\u00fcber dem gleichen Gespr\u00e4chspartner) von zwei Aussagen die erste durch die zweite und dle zweite durch die erste zu beweisen sucht. - Beispiel: Der Mensch ist frei, weil er zurechnungsf\u00e4hig, und er ist zurechnungsf\u00e4hig, weil er frei ist.\r\n\r\n(Aus Vorlesung \u201eLogik\u201c aus dem Schuljahr 1973\/74 von Dr. Gion Darms \u2020, Kantonsschule Kollegium Schwyz)","link":"https:\/\/ifit.ch\/?tag=trugschluss","name":"Trugschluss","slug":"trugschluss","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ifit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/49","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ifit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/ifit.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/ifit.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}